Sie sind fast schon Legende, die Ferienzeltlager von Marga und Heribert, die in den sechziger und siebziger Jahren während der Sommerferien im "Waldhaus" stattfanden. Nicht selten 70 und mehr Kinder versammelten sich hier und verbrachten eine schöne Zeit. Die Kinder von damals wurden erwachsen, und wegen später geringeren Zulaufs kehrte zwangsläufig Ruhe im "Waldhaus" ein. Glücklicherweise ist eine ansehnliche Zahl der früheren Lagerteilnehmer auch heute noch bei "Fidelio" aktiv. Sie sind nun selbst Eltern.

Um auch Kinder und Jugendliche zum Verein hinzuführen bzw. an diesen zu binden, müssen über das Wandern hinaus auch weitere Attraktionen angeboten werden. Deshalb lag es nahe, wie früher, wieder einmal ein Zeltlager zu veranstalten. Einen "Probelauf" hatten wir schon 1991 als "Fidelio" mit einer Gruppe von 20 Kindern und Jugendlichen am jährlichen DWJ-Zeltlager teilnahm. Bereits dies war ein voller Erfolg. 1994 sollte jedoch erstmals wieder ein reines "Fidelio"-Lager stattfinden. Mit Sonja, Eberhard, Hanne, Dietmar und Burkhard stand dabei ein erprobtes Betreuerteam zur Verfügung.

Am ersten Samstag der Sommerferien ging es los. Und nachdem die Vati's ihren Kindern gezeigt hatten, wie man ein Zelt aufstellt - was diesen die Arbeit ersparte - stand gegen Abend bereits eine recht ansehnliche Zeltstadt, die für eine Woche die Heimat von 7 Mädchen und 14 Buben sein sollte. Wir hißten die "Fidelio"-Fahne, und dann konnte das Lagerleben beginnen. Weil dieses aber nicht nur aus Spiel und Spaß besteht, wurden Arbeitsgruppen gebildet, die für das Aufräumen und den Abwasch zuständig waren. Ansonsten hielt sich die Arbeit aber in Grenzen.

Fixpunkt im Tagesprogramm stellten die gemeinsamen Mahlzeiten sowie die abendliche Runde am Lagerfeuer, bei der auch gruselige Geistergeschichten erzählt wurden, dar. Während der übrigen Zeit waren die jungen "Fidelianer" sehr aktiv. Es wurden Flieger und Boote gebaut, Völkerball, Fangen und Verstecken gespielt. In der Lagerolympiade konnten die Kids und Teens sich in Laufen, Weitspringen und Weitwerfen messen, wobei es natürlich für jeden, d.h. auch für den Letzten, einen kleinen Preis gab. Und wer gerade keine Lust hatte, von den Angeboten Gebrauch zu machen, vergnügte sich auf dem Spielplatz oder - ein wirklicher Renner - baute am Bach Staudämme oder suchte Tiere, was uns insgesamt vier Wetterfrösche samt Glas einbrachte. Wenn es einmal gar zu heiß war - in dieser Woche keine Seltenheit - verschafften wir uns unter dem Rasensprenger oder bei einer Schlacht mit "Wasserbomben" Abkühlung.

Das Wandern durfte selbstverständlich nicht zu kurz kommen. Deshalb nahmen wir bereits sonntags an der Familienwanderung teil und während der Woche ging nochmals bei einer Schnitzeljagd "die Post ab". Gerade die Schnitzeljagd hatte es in sich, denn es galt nicht nur den Weg zu finden, sondern auch eine gewisse Zeit - die den Teilnehmern nicht bekannt war - einzuhalten. Und so mußte eine Gruppe aus überwiegend älteren Mädchen und Jungen, die die Strecke nahezu im Laufschritt hinter sich gebracht hatten, leidvoll erfahren, daß manchmal die Ersten doch die Letzten sind, denn selbstverständlich war die Zeit so bemessen, daß auch der jüngste Wandersmann sie noch ohne große Anstrengung einhalten konnte. Die Belohnung für die Siegergruppe bestand darin, daß sie von den "Losern" einen Abend lang bedient wurden.

Mit viel Eifer waren die Kinder auch beim Bau der geplanten Hütte dabei. Mit viel Sägen, Klopfen, Hämmern und Nageln entstand aus einigen Holzschwarten in zwei Tagen ein uriges kleines Haus, das - mit Vorhängen versehen und auf den Namen "Villa Waldhaus" getauft - gleich als Hamburger-Stand für das Abendessen herhalten mußte.

Als Überraschung gedacht war die Seilbahn, die während der Woche zum Einsatz kam. Leider baute aber einer der "Flieger" eine kräftige Bruchlandung, glücklicherweise die einzige größere Verletzung im Laufe des Zeltlagers.

Eine Gruselparty am letzten Abend versammelte uns alle nochmals am Lagerfeuer, was einige "Spessart-Räuber", unter denen wir ausgerechnet den JuLei, daneben noch den Wanderwart und ein Mitglied des FuV erkannt zu haben glauben, ausnutzten, um unser Lager zu überfallen. Wenn auch unsere Helden anfangs etwas zaghaft waren ("Ich zittere nicht, weil es so kalt ist, sondern weil ich so viel Angst habe"), hatten wir die Sache aber doch schnell wieder unter Kontrolle.

Etwas wehmütig, aber auch froh wieder einmal eine ganze Nacht schlafen zu können, noch dazu im eigenen Bett, packten wir am Freitag die Koffer und verstauten die Zelte. Der letzte Kofferraumdeckel war kaum zugeschlagen, als der erste Regenschauer seit längerer Zeit einen Schlußpunkt unter die Zeltlagerwoche setzte.
Kurz und gut: Es waren für alle ein paar tolle Tage im "Waldhaus". Und weil es allen so gute gefallen hat, sagen wir bereits jetzt: Auf im nächsten Jahr, zur gleichen Zeit am selben Ort.

Aus "Fidelio aktuell", Januar 1995
Verfasser: Eberhard Väth