Große Fahrten an Pfingsten sind schon immer bei der Fideliojugend gut angekommen, doch dieses Jahr sollte zum ersten mal eine Winterfreizeit abgehalten werden. In der Nacht vom 26. zum 27. Dezember traf sich eine 27 Mann starke Gruppe am Kriegerdenkmal zur Abfahrt. Sieben Autos standen zur Verfügung um (...) alle unterzubringen. Als alles verstaut und eingeladen war, hieß es alle Mann an Bord und die Autokolonne setzte sich in Richtung Süden in Bewegung.

Doch bald zwang uns eine Panne an einem der Wagen zu einer unliebsamen Pause. An der nächsten Raststelle wurde beim ADAC angerufen. Einer ihrer Leute kam sofort und der Defekt konnte gleich behoben werden. Von nun an ging die Reise ohne Zwischenfälle weiter.

Die nächsten  Probleme traten auf, als wir in Lüsen ankamen, die Pension Schönblick gemacht hatten und daraufhin feststellten, daß das Gepäck den Berg hochgetragen werden mußte. Doch Fidelio wußte sich zu helfen. Sofort wurde ein Bauer mit Traktor angeheuert der unser Gepäck den schmalen, verschneiten Weg hinauffuhr. Trotzdem gab es zwei, die meinten es nicht abwarten zu können, bis der Traktor kam und kämpften sich mit aller Gewalt mit ihren Autos den Berg hoch, wobei eine Schneekette zu Bruch ging. Als der Gepäcktransport geschafft war, wurde die Zimmereinteilung vorgenommen und daraufhin ein ausgiebiges Vesper abgehalten.

Noch am selben Tag drängte es dann die jüngeren, die von der Fahrt noch nicht so erschöpft waren, auf die Piste zum Einfahren und zum Aklimatisieren. Nach ausreichender Mahlzeit am Abend, die während der 8 Tage nur zu loben war, klang der Tag mit nicht geringen Mengen an Rotwein aus.

Am nächsten Morgen ging es dann richtig los. Wir fuhren etwa 20 Minuten bis nach St. André, wo wir zum Skigebiet "Plose" mit der Gondel hochfahren wollten. Doch es stellte sich heraus, daß wir erstmal nach Brixen hinabfahren mußten, um unsere Skipäße zu bekommen. Das war lästig und nahm viel Zeit in Anspruch. Als wir endlich doch noch oben ankamen, waren wir froh, daß wenigstens die Lifte nicht so voll waren, aber die Schneequalität ließ auf fast allen Pisten zu wünschen übrig. Zur Mittagszeit suchten wir uns ein Plätzchen im Gipfelhaus, wo jeder von uns eine Portion Spaghetti und eine Cola verzehrte. Diese Kombination sollte übrigens die 7 Tage unsere tägliche Mittagsmahlzeit sein.

Die abendliche 6km lange Abfahrt ins Tal wurde zur Qual für und Material. Diejenigen, die daran teilnahmen, müssen mir wohl recht geben. Nur vereiste und steinige Pisten. Unten angelangt waren wir dann mehr um unsere Skier besorgt, als um unsere Knochen, denn die Skibeläge hatten erheblich gelitten.

Der folgende Abend wurde dann nicht so lang, weil jeder von dem anstrengenden Tag "groggy" war.

In den nächsten Tagen fiel 50cm Neuschnee, der uns zufriedenstellte, doch war es kalt und zeitweise nebelig und wenn man zum höchsten Gipfel hinauf wollte, mußte man gegen die Kälte ankämpfen. Vorher jedoch galt es das Problem des Lifteinsteigens zu überwinden. Mit viel Schwung mußten wir in die Metallgestelle, die die Form von Vogelkäfigen hatten, aber von uns "Viehkäfige" genannt wurden, einspringen, was mancher erst im 2. Anlauf schaffte.

Am Abend des 29. Dezember wurde der Geburtstag von Walter und Inge zünftig gefeiert. Es herrschte eine Riesen-Gaudi und die Gesellschaftsspiele, die wir machten fanden großen Anklang. Die nächsten zwei Tage bis zum Silvester verliefen dann ganz normal. Tagsüber wurden die Pisten unsicher gemacht und abends einige Flaschen Rotwein zur Strecke gebracht, oder vergnügten wir uns auf den Zimmern, wo die Atmosphäre immer gut war.

Zur allgemeinen Wetterlage ist zu sagen, daß man zufrieden sein konnte. Die Sonne war meistens zu sehen und bis auf ein oder zwei Tage war es auch nicht so kalt.

An Silvester ist es in unserem Haus hoch hergegangen. Bereits am Nachmittag wurden die Vorbereitungen getroffen. Es wurde eine Bowle angesetzt und kleine Vesperhäppchen zurechtgemacht. Am Abend warteten wir dann bei Musik und fröhlicher Stimmung das "Neue Jahr" ab. Punkt Zwölf knallten die Sektkorken, und natürlich durften die Kracher, die wir ja zu Genüge dabei hatten, auch nicht fehlen. Daraufhin wurde das Neue Jahr mit Tänzchen begrüßt. Gegen 2 Uhr zogen sich die meisten in ihre Gemächer zurück. Der nächste Tag sollte ein gemütlicher werden. Das Skifahren fiel aus und wir ruhten uns den ganzen Tag noch von der anstrengenden Nacht aus. Manche hatten es nötig!

Am 2. Januar kauften wir uns noch einen Tagesskipass, um unsere Skier das letztemal anzuschnallen. Petrus bescherte uns einen wunderschönen, sonnigen und strahlend blauen Tag. Als wir unsere Skier dann am Abend abschnallten, waren wir doch enttäuscht, daß die Skifreizeit schon fast zu Ende war. Am nächsten Morgen als alles verpackt war und wir uns von unseren netten Wirtsleuten verabschiedet hatten, konnten wir feststellen, daß es eine gelungene Winterfreizeit war, die bei einer Wiederholung im nächsten Jahr, vielleicht an einem anderen Ort, bestimmt wieder großen Anklang finden würde.

Aus "Fidelio aktuell", Nr. 3 - April 1982
Verfasser: M. F.