In Schweinheim gab es früher 7 Mühlen. Die erste von unten herauf war die Eckertsmühle, die auch Anderlohrsche Mühle genannt wurde. Um 1750 trug sie den Namen "Centgrafische Mühle". Wenn wir nach Zeugen der Vergangenheit suchen, lesen wir an einem verfallenen Keller oberhalb des Weges die Jahreszahl 1569. An einem Stein des Wohnhauses 1608 HB.

Im Jahre 1745 sind im Geschoßregister aufgeführt:
Frau Centgrafenmühle mit 12 Kreuzer, 6 Maß, 2 Sechter.

1755 ebenfalls im Geschoßregister:
Johann Georg Märkel, centgrafische Wittib in Aschaffenburg, 1 Mahlmühle mit 1 Gang in Unterschweinheim, die untere Mühle genannt.

Um 1780 wurde vom Collegiatsstift in Aschaffenburg eine rückständige Pacht von 4 Malter, 11 Sechter Korn gefordert. Die Pacht wurde für die Zeit von 1761-1780 verlangt. Im Stadt- und Stiftsarchiv befindet sich eine ganze Anzahl von Dokumenten, die diesen Streit zwischen dem Pächter und dem Collegiatsstift bezeugen. Die Verhandlungen zogen sich bis zum Jahre 1790 hin. Zum Schluß betrugen die Prozesskosten 56 Gulden und 49 Kreuzer. Gefordert waren 1780: 21 Gulden und 24 Kreuzer.

Zwischen 1790 und 1799 hieß der Pächter Joh. Maurer der 1799 um den Konzens nachsuchte auf seiner Wiese im Auborn eine neue Mühle bauen zu dürfen, weil er auf der Eckertsmühle "beforchten müßte alljährlich aufgekindt zu werden". 1799 war Johann Fertig "Beständerer der Mühle". 1810 Philipp Fertig.

In einem Stein hinter dem Haus wurde die Jahreszahl "1819 PE" gefunden. Am Seiteneingang in Stein gehauen die Zahl "1822 JHE". 1837 hieß der Besitzer Johann Eckert. Sein Name ist am Kellereingang unter dem Weg zu lesen. 1898 wurde die Eckertsmühle von der Gemeinde Schweinheim an die Stadt Aschaffenburg verkauft. 1905 wurde das Gebiet, früher zu Schweinheim gehörig, nach Aschaffenburg eingemeindet. In diesem Jahr war die Frau Anderlohr Pächterin der Mühle.


Ansicht im Jahre 2020

1918 versteigerte die Stadt Aschaffenburg das Mühlenanwesen. Rosa und Sebastian Kaup erwarben das Areal. Die neuen Besitzer eröffneten in den Weihnachtsfeiertagen 1924 eine Gastwirtschaft. Die Wirtsstube hatte nur 3 Tische. In den Sommermonaten jedoch betrieben die Besitzer eine sehr beliebte Gartenwirtschaft. Die Familie Kaup tat alles um die vielen Besucher gastfreundlich zu bewirten. Familien mit Kindern hielten gerne nach einem Spaziergang Rast.

Im letzten Krieg wurde die zerbombte Meisterschule für Steinmetzen in die Eckertsmühle ausgelagert. Außerdem trafen sich hier an Sonntagen die Ostarbeiter der Heckmann-Werke zum gemütlichen Beisammensein.
Die Tochter des letzten Gastwirtes war noch 1986 Besitzerin und bewohnte die geschichtsträchtige Mühle. 

Aus "Fidelio aktuell", Nr. 6 Januar 1986
Verfasser: Hans Brunner
Fotos: Philipp Väth